Was bleibt, wenn wir mal nicht funktionieren müssen?

Wir sind erstaunlich gut darin, unseren Tag in Aufgaben zu zerlegen.
Aufstehen. Arbeiten. Antworten. Einkaufen. Organisieren. Noch schnell etwas erledigen. Und wenn irgendwo eine freie halbe Stunde auftaucht, finden wir meistens etwas, womit wir sie wieder füllen können.
Manchmal frage ich mich, wann aus „Ich mache etwas“ eigentlich „Ich muss ständig funktionieren“ geworden ist.
Wir messen Tage gern daran, was wir geschafft haben
„War ein guter Tag?“
Oft antworten wir darauf mit einer Liste.
Was fertig wurde. Was geklappt hat. Was wir geschafft haben.
Das ist verständlich. Es fühlt sich gut an, Dinge abzuhaken. Problematisch wird es nur, wenn ein Tag ohne sichtbares Ergebnis plötzlich wie ein schlechter Tag wirkt.
Denn nicht alles Wertvolle lässt sich abhaken.
Ein Gespräch. Ruhe. Nachdenken. Musik hören. Aus dem Fenster schauen. Früher schlafen gehen. Nichts davon produziert eine besonders beeindruckende To-do-Liste.
Du bist nicht nur dann wertvoll, wenn am Ende des Tages etwas Fertiges auf dem Tisch liegt.
der uNi
Pause ist kein Fehler im System
Ich glaube, wir behandeln Pausen manchmal wie eine Störung.
Als wäre eigentlich vorgesehen, dass wir immer weitermachen, und nur der Körper oder der Kopf hätte zwischendurch diese lästige Idee, müde zu werden.
Dabei gehört Pause genauso zum Leben wie Bewegung.
Auch Musik besteht nicht nur aus Tönen. Ohne die kleinen Zwischenräume wäre sie kaum auszuhalten.
Vielleicht gilt das für unseren Alltag ebenfalls.
Was bleibt, wenn gerade nichts von uns verlangt wird?
Das ist die spannendere Frage.
Wenn niemand eine Antwort braucht. Wenn keine Nachricht blinkt. Wenn nichts fertig werden muss.
Was machen wir dann?
Greifen wir sofort zum Handy? Suchen wir die nächste Aufgabe? Oder halten wir es aus, für einen Moment einfach da zu sein?
Ich kann das nicht immer besonders gut. Gerade wenn viele Ideen gleichzeitig im Kopf sind, fühlt sich Nichtstun schnell an, als würde ich Zeit verlieren.
Aber vielleicht verliert man Zeit nicht dadurch, dass man sie nicht produktiv nutzt.
Vielleicht verliert man sie eher, wenn man jeden Moment nur als Durchgang zur nächsten Aufgabe betrachtet.
Ein Abend ohne Ziel
Vielleicht probieren wir es einmal klein.
Kein großes Wellnessprogramm. Keine Selbstoptimierungspause mit Plan.
Einfach eine Stunde, in der nichts besser werden muss.
Kaffee oder Tee. Musik. Ein Spaziergang. Ein Buch. Oder tatsächlich einmal gar nichts.
Nicht als Belohnung dafür, dass wir vorher genug geleistet haben.
Sondern weil wir Menschen sind und keine Dauerbetriebsmaschinen.
Wann hast du zuletzt etwas gemacht, das keinen anderen Zweck hatte, als dir gutzutun?
Marco, der uNi
