Was man auf einem Weg entdeckt, wenn man nicht auf die Uhr schaut.

Nasses Kopfsteinpflaster mit Herbstlaub, Bank und Altstadt nach einem Regenschauer
Ein ruhiger Weg durch die Altstadt nach dem Regen (KI-generiertes Symbolbild)

Manchmal gehe ich raus, um nur kurz den Kopf freizubekommen.

Und dann mache ich ausgerechnet daraus wieder eine Aufgabe.

Noch zwanzig Minuten. Dann muss ich zurück. Wie weit bin ich gegangen? Welchen Weg nehme ich? Reicht die Zeit noch für die größere Runde?

Eigentlich ziemlich absurd.

Da verlasse ich den Schreibtisch, um einmal nichts abarbeiten zu müssen – und nehme den Zeitplan einfach mit nach draußen.

Nur kurz raus

Ich glaube, wir sind ziemlich gut darin geworden, Wege zu messen.

Minuten. Kilometer. Schritte. Kalorien. Ankunftszeit.

Das ist oft praktisch. Nur manchmal nimmt es einem Weg genau das, was ich daran mag: dass unterwegs etwas passieren darf, mit dem ich vorher nicht gerechnet habe.

Also habe ich mir irgendwann gedacht: Was passiert eigentlich, wenn ich einfach gehe?

Ohne möglichst schnell irgendwo anzukommen. Ohne nach zehn Minuten schon zu überlegen, wann ich umdrehen muss.

Nicht jeder Weg braucht ein Ziel. Manche brauchen nur Zeit.

der uNi

Der erste Reflex ist erstaunlich hartnäckig

Natürlich schaut man trotzdem auf die Uhr.

Oder aufs Handy. Vielleicht nur, weil es ohnehin in der Tasche steckt. Eine Nachricht lesen, kurz die Zeit prüfen – und schon ist man wieder mitten in allem, aus dem man gerade für eine Weile raus wollte.

Ich möchte daraus keine Regel machen. Niemand muss sein Smartphone im Wald vergraben, um einen guten Spaziergang zu haben.

Aber es ist interessant, was passiert, wenn man es einfach einmal stecken lässt.

Nach einer Weile verliert der Weg dieses Gefühl von „Ich muss noch“.

Plötzlich tauchen Dinge auf

Nicht spektakuläre Dinge.

Eine Haustür, an der man schon oft vorbeigelaufen ist. Ein alter Baum. Licht auf einem Fenster. Eine Bank, auf der tatsächlich jemand sitzt, statt nur vorbeizueilen. Der Geruch von feuchtem Laub. Eine Straße, die man kennt und die trotzdem anders aussieht, weil man ausnahmsweise nicht auf den nächsten Termin zuläuft.

Vielleicht war all das vorher auch schon da.

Wahrscheinlich sogar.

Nur mein Kopf war woanders.

Unterwegs ohne Zeitdruck wird die Welt nicht plötzlich interessanter. Man hat nur wieder etwas mehr Gelegenheit, sie zu bemerken.

Ein Weg muss nichts bringen

Das ist für mich vielleicht der wichtigste Punkt.

Ich muss von einem Spaziergang nicht mit einer genialen Idee zurückkommen.

Ich muss kein Problem gelöst und keinen Entschluss gefasst haben. Auch kein Foto muss entstehen und niemand muss später wissen, wo ich gewesen bin.

Manchmal war ich einfach draußen.

Mehr nicht.

Und erstaunlicherweise fühlt sich genau das oft ziemlich gut an.

Vielleicht entsteht unterwegs trotzdem etwas

Manchmal eben doch.

Ein Gedanke wird leiser. Ein anderer wird klarer. Eine Idee taucht auf, weil ich gerade nicht versucht habe, eine zu finden.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich „uNi unterwegs“ nicht nur mit großen Reisen verbinden möchte.

Unterwegs kann auch der Weg durch die eigene Stadt sein. Ein Nachmittag irgendwo im Grünen. Eine Straße, die man sonst nie nimmt. Oder einfach eine Runde, bei der nicht schon vorher feststeht, wie lange sie dauern darf.

Es geht weniger darum, wie weit man kommt.

Sondern darum, ob man überhaupt noch merkt, wo man gerade ist.

Wann bist du zuletzt einfach losgegangen, ohne ständig auf die Uhr zu schauen?

Marco, der uNi